Gibt es eine anti-imperiale Botschaft unter der Textoberfläche der Paulusbriefe? Christoph Heilig untersucht die Briefe des Apostels und schlussfolgert, dass die Hypothese, wonach wir in den Paulusbriefen "Echos" des Imperiums mit kritischem Klang erkennen können, angepasst werden muss, damit sie aufrechterhalten werden kann.
Paulus wurde lange Zeit als dem römischen Reich gegenüber unkritisch eingeschätzt, nicht zuletzt wegen seines augenscheinlichen Aufrufs zu Gehorsam gegenüber dem Staat in Röm 13,1-7. In der jüngeren Forschung wurde jedoch diese Annahme hinterfragt, indem auf "versteckte Kritik" in den Briefen des Apostels hingewiesen wurde. Aber wie können wir auf methodologisch fundierte Art und Weise entscheiden, ob eine solch anti-imperiale Botschaft unter der Textoberfläche verborgen ist? Aufgrund von Erkenntnissen aus der Wissenschaftstheorie schlägt Christoph Heilig eine Reihe analytischer Schritte vor, um diese These zu untersuchen. Er schlussfolgert, dass die Hypothese, wonach wir in den Paulusbriefen "Echos" des Imperiums mit kritischem Klang erkennen können, angepasst werden muss, damit sie aufrechterhalten werden kann. Insbesondere sei die angebliche Angst des Apostels vor Verfolgung aufgrund offener Kritik keine hinreichende Rechtfertigung für dieses Paradigma.
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