Jeff Jay argues that the Gospel of Mark should be described as tragic because it elicits tragedy's recurring motifs and moods as well as a highly theatrical atmosphere. He thus revises the typical story of tragic drama's history, which portrays the Judeo-Christian tradition as inhospitable to tragedy because it emphasizes divine grace and justice.
In Darstellungen zur Geschichte der Tragödie wird die jüdisch-christliche Tradition meistens als ablehnend gegenüber der Tragödie, sowohl als Kunstform als auch als Empfindsamkeit oder als Sicht auf das Leben dargestellt. Mit dem Schwerpunkt auf göttlicher Gnade und Gerechtigkeit, meint die Forschung, mieden jüdische und christliche Autoren all das, was auch nur annähernd mit Tragödie zu tun hatte. Jeff Jay zeigt, dass Markus in den ersten Jahren christlicher literarischer Produktivität dennoch eine Erzählung schuf, die "tragisch" ist, da sie einige, häufige Motive und Stimmungen der Tragödie aufweist, ebenso wie eine höchst theatralische Atmosphäre und einen scharfen Sinn für die Unerbittlichkeit, die Jesus in die verhängnisvolle Passion treibt. Die Forschung, die die Geschichte der Tragödie in zu enger oder sogar reduktionistischer Art und Weise zeichnet, schmälert dadurch die wirkliche Bedeutung der Tragödie im Lauf der Jahrhunderte und übersieht ihren Einfluss auf zahlreiche frühe jüdische Autoren und den Verfasser des Markusevangeliums, die alle schrieben, als die Tragödie angeblich "tot" war.
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